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FREIES WORT Ressort
PRAWO- Presseartikel
Erschienen am 13.12.2008
Südthüringer Bildungszentrum
Verstecktes Talent, das
geweckt werden will
Schüler der
Albert-Schweitzer-Förderschule Hildburghausen werden als Holzwerker geschult
Von Petra Rügheimer
Kloster Veßra
– Es duftet angenehm nach Holz, ein bisschen aufdringlicher nach Leim und
Farbe. Irgendwo kreischt gerade die Kreissäge – und ein Ausbilder muss
eingreifen, weil die Säge schon wieder nicht erst ausgeschaltet wurde, bevor
eine Hand gleich neben dem Sägeblatt herumfuchtelt. Also nochmal eine Belehrung,
obwohl eigentlich alle hier längst Bescheid wissen müssten.
Hohe Ansprüche
Vorn auf dem Regal steht noch eines der hübschen
Wandschränkchen, die von der Abschlussklasse zur Prüfung als Gesellenstück
gebaut worden sind – schön anzusehen und praktisch zugleich ist das Teil. Einige
im zweiten Ausbildungsjahr versuchen gerade, so ein Ding nachzubauen. Zwar
werden sie als Prüfungsaufgabe im nächsten mit Sicherheit einen ganz anderen
Auftrag bekommen, aber der Schwierigkeitsgrad der Prüfung lässt sich so schon
mal ganz gut austesten.
Im Südthüringer Bildungszentrum Holz (SBZ) scheint
soweit alles seinen gewohnten Gang zu gehen an diesem Donnerstag Vormittag. Und
doch ist einiges anders, denn gerade sind wieder sechs Schüler der
Albert-Schweitzer-Förderschule Hildburghausen zum Praktikum hier. Sie tun sich
in vielen Dingen ungleich schwerer, als die Stamm-Azubis des SBZ. Und viele
Ausbilder staunen dennoch, welche gut ausgeprägten Fertigkeiten und Fähigkeiten
sie im einzelnen haben – wenn sie ausreichend angeleitet und individuell
gefördert werden.
Zum zweiten Mal schon läuft das spezielle Projekt, zu
dem sich das SBZ in Kloster Veßra und die Hildburghäuser Förderschule
zusammengetan haben. Die Europäische Union fördert das ganze aus ihrem
Sozialfonds auch kostenseitig, ebenso gibt der Freistaat Thüringen Geld dazu.
Schließlich ist es allemal besser, zu fördern wo es irgend möglich ist, als
junge, aber benachteiligte junge Menschen gleich ins Heer der Arbeitslosen oder
gar Sozialhilfe-Empfänger zu schicken – und ihnen damit jede Chance zu nehmen,
ihren Alltag jemals eigenständig zu meistern und selbst für ihren
Lebensunterhalt einzustehen.
Spezielles
Lernprogramm
Mehrfach ist es schon gelungen, Förderschüler in Lohn
und Brot zu bringen – weil sie durchaus etwas zu leisten vermögen, erklärt
Projektleiter Horst Gröschel vom SBZ bei unserem Besuch. Sechs Förderschüler
zwischen 16 und 20 Jahren sind derzeit in diese besondere Maßnahme integriert.
Ihren Lehrer Torsten Zöllner, der ja auch in der Albert-Schweitzer-Schule
täglich mit ihnen zusammen ist, haben sie dabei. Vor Ort kümmert sich zudem noch
Ausbilder Ullrich Reizlein speziell um die sechs Schüler der Förderschule. Und
eine sozialpädagogische Betreuung gibt es ebenso. Einmal in der Woche sind die
Hildburghäuser Schüler hier im SBZ zu Gast; insgesamt läuft ein Projekt immer
über 20 Wochen hinweg. Während dieser Zeit werden nicht nur praktische
Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt, die ein späterer Holzwerker beherrschen
muss. Es wird von den Förderschülern auch ein speziell zugeschnittenes,
theoriereduziertes Lernprogramm absolviert. Auch damit hat das SBZ mittlerweile
schon einige Erfahrung. Ausbilder und Lehrer ergänzen sich, können auf
individuelle Gegebenheiten oder auch mal Schwierigkeiten reagieren. Damit es
möglichst gar nicht erst zu Problemen bei den Förderschülern kommt, kümmert sich
Diana Hoffmann bei jedem um seine individuellen Kompetenzen. Damit hat die junge
Frau schon Erfahrungen gesammelt, denn alle SBZler werden von ihr – salopp
ausgedrückt auf Herz und Nieren – ebenfalls geprüft. Motorische Fertigkeiten
werden ausgetestet. Wie rasch bekommt der einzelne Schüler einfache manuelle
Routine-Tätigkeiten auf die Reihe? Inwieweit ist der Schüler in der Lage, mit
bestimmten, einfachen Maschinen und Hilfsmitteln ganz bestimmte Ziele zu
erreichen? Gelingt es ihm dabei auch, kontrollierend und notfalls korrigierend
in den Fertigungsprozess einzugreifen? Kann der Schüler schriftliche
Arbeitsanweisungen und Vorgaben richtig erfassen und zielgerichtet praktisch
umsetzen? Das sind nur einige Fragen, um die es beim Kompetenztest geht, den die
Azubis bei Diana Hoffmann am Beginn des Projekts und dann noch einmal zum
Schluss absolvieren. Sie selbst sei oft „überrascht, welche positive Entwicklung
die Schüler genommen haben“, sagt Hoffmann. Für sie ein Beweis mehr, dass mit
dem Projekt wirklich etwas bewegt werden könne.
SBZ und Förderschule sind überzeugt vom Projekt,
weshalb „wir auch erneut einen Förderantrag stellen werden“, informiert Horst
Gröschel am Schluss unseres Rundgangs. Übrigens arbeitet die Förderschule in
ähnlicher Weise auch mit dem Hildburghäuser Bildungszentrum und der
Öko-Gärtnerei in Bedheim zusammen, betont Torsten Zöllner.
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